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Ausbildungsverträge für Flüchtlinge in kommunalen Betrieben

© Tinatin - Fotolia.com
Autor
Vladislav Sedov
Veröffentlicht
22.10.2015

Unter den Flüchtlingen, die Asyl suchen und erhalten, sind neben zahlreichen unqualifizierten Personen auch viele mit Bildung und Berufserfahrung. Kommunale Betriebe sollten sich von Beginn an auf potenzielle Leistungsträger konzentrieren und hier einen deutlichen Schwerpunkt ihrer Integrationsarbeit setzen. Es reicht nicht aus einer arbeitssuchenden Personen einen Besen in die Hand zu drücken und sie dann zum Straßenreiniger zu erklären. Zum einen haben wir eher einen Personalabbau durch Optimierung und Technisierung zu beobachten. Zum anderen würde dies den Wettbewerb zu den bereits beschäftigten Geringqualifizierten erhöhen. Des Weiteren würde man auch nicht den integrationsbereiten Asylanten gerecht. Der kommunale Betrieb darf auch nicht das Sammelbecken für diejenigen werden, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance haben. Gleichwohl sind die Betriebe im besonderen Maße dem Gemeinwohl verpflichtet. Deshalb sollten sie die Flüchtlingssituation nicht nur als Pflicht, sondern auch als Chance sehen. Die kommunalen Betriebe haben aber personelle Bedarfe im bezahlbaren Fachkräftebereich und hier sollte man strategisch ansetzen.

Meines Erachtens sollten die Betriebe Ausbildungsoffensiven für Asylanten starten. Ein Ausbildungsverhältnis hat mehrere Vorteile.

  • Die Höhe der Vergütung ist bescheiden und entspricht dem Leistungsniveau. Die Ausbildungsvergütung kann im Bedarfsfall über externe Förderung aufgestockt werden.
  • Die Ausbildungsverträge enden automatisch mit der erfolgreich bestandenen Prüfung. Es gibt formal weder auf der einen noch auf der anderen Seite eine förmliche Verpflichtung zur unbefristeten Festanstellung.
  • Auszubildende sammeln im Betrieb praktische Erfahrung, was enorm wichtig ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass Integration nur über Arbeit gelingt.
  • Sie erhalten mit der bestandenen Prüfung eine anerkannte Eintrittskarte in die Wirtschaft.
  • Die Noten und Zeugnisse geben Auskunft über Leistung und Leistungsbereitschaft.
  • Asylanten erwerben Qualifikationen, die sowohl hier als auch in anderen Ländern benötigt werden.
  • Ausbildung kann Mobilität und Flexibilität erhöhen.
  • Die Betriebe können in einem überschaubaren Zeitrahmen personelle Kapazitäten erhöhen, ohne sich langfristig mit unkalkulierbaren Folgekosten zu belasten.

Wir stehen nun an der Schwelle zum Winter. Kurzfristig müssten in den nächsten Monaten die Ausbildungsberufe identifiziert und die Ausbildungskapazitäten erhöht werden. Bei letzterem sehe ich die Chance erfahrenes Stammpersonal an die Aufgabe Ausbildung heranzuführen. Sofern die örtliche Industrie- und Handelskammer mitspielt, Oft reicht ein Lehrgang und eine Prüfung zum Erlangen der Ausbildereignung aus. Es ist anzunehmen, dass sich die Kammern pragmatisch und kooperativ zeigen.

Das erste Halbjahr 2016 wäre durch Vorbereitung geprägt. Die Ausbilderinnen und Ausbilder entwickeln Konzepte und sorgen für eine reibungslose Organisation. In dieser Zeit können die Betriebe bereits ihre Tore für Ausbildungswillige öffnen. Hier könnte man sich der bekannten Konzepte der Berufsvorbereitung bedienen. Betriebe und Ausbildungsplatzsuchende lernen sich gegenseitig kennen. Dies ist für beide Seiten hilfreich.

Im zweiten Quartal 2016 wären die Ausbildungsverträge zu unterzeichnen. Start wäre dann im August. Das geht schneller, als man denkt. Ausbildung ist etwas Nachhaltiges, und Bildung ist unsere wertvollste Ressource.

Bitte lesen Sie auch folgenden Blogartikel zum selben Thema: http://www.kommunalwirtschaft.eu/blog/181-kommunikation/1239-fluechtlinge-als-neue-kollegen 

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